Kurier (Tageszeitung)



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Der Kurier ist eine unabhängige österreichische Tageszeitung mit überregionaler Ausrichtung.

Zahlen, Daten, Fakten

Der Kurier erscheint täglich in einer Auflage von 260.517 Stück laut Österreichischer Auflagenkontrolle. Davon 114.954 im regulären Abonnentenverkauf und 44.765 im Einzelverkauf. Laut Österreichischer Media-Analyse (MA) hatte die Zeitung im Jahr 2004 durchschnittlich 700.000 Leser, das entspricht einer Reichweite von 10,3 Prozent. Der Kurier belegt damit in Österreich Platz 3 hinter Kronen Zeitung und Kleine Zeitung bei den meistgelesenen Tageszeitungen.

Eigentümer sind zu 50,56 % die Printmedienbeteiligungsgesellschaft im Auftrag des Unternehmens Raiffeisen und zu 49,44 % die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Der Kurier ist Genossenschafter der Austria Presse Agentur.

Nachdem Peter Rabl nach vielen Jahren als Herausgeber seine Funktion Ende September 2005 zurücklegte, fungiert Christoph Kotanko als Chefredakteur mit Personalhoheit. Als Herausgeber tritt seitdem die Kurier Zeitungsverlag GmbH auf. Damit wird ein Modell praktiziert, dessen sich auch andere Tageszeitungen wie die Kleine Zeitung oder die Tiroler Tageszeitung bedienen.

Freitags liegt der Zeitung das TV-Magazin TV Woche, samstags die Lifestyle-Beilage Freizeit und das Immobilien-Magazin Immo bei.

Der Kurier betreibt mit kurier.at ein eigenes Onlineportal. Im August 2005 hatte kurier.at nach der Österreichischen Webanalyse eine Reichweite von 702.734 Benutzern und ist damit eines der großen Webportale Österreichs.

Blattlinie

Auszug aus der laut Mediengesetz veröffentlichten Blattlinie des Kurier:

„...setzt sich vorbehaltslos für die Integrität, Eigenstaatlichkeit und den föderalistischen Aufbau der Republik Österreich und deren konstruktiven Beitrag zum europäischen Einigungsprozess ein. [...] bekennt sich zur parlamentarischen Demokratie und zum Rechtsstaat. [...] unterstützt Idee und System der Sozialen Marktwirtschaft unter Berücksichtigung der Ökologie. [...] die Vertiefung der Toleranz in allen Lebensbereichen, die Verteidigung der Gewissensfreiheit und die Achtung vor allen Glaubens- und Religionsgemeinschaften.“

Gründung

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten Österreichs Medienlandschaft fest in der Hand. Der am 27. August 1945 erstmals erscheinende Wiener Kurier war eine Gründung der US-amerikanischen Besatzungsmacht (siehe auch: Heeresgruppenpresse). Die Zeitung war ungewöhnlich innovativ und bunt aufgemacht, und gilt daher als erste Boulevardzeitung Österreichs. Sie erschien mit einer Startauflage von 153.200 Stück und konnte sich mit seinem amerikanischen Chefredakteur, dem Presseoffizier Colonel Albert W. Reid, gleich in der Anfangsphase etablieren. Als Rammbock an vorderster Front gegen die Sowjets, die ihrerseits versuchten, in ihren Blättern die Amerikaner zu verunglimpfen, bestand der Zweck des Wiener Kuriers damals hauptsächlich darin, amerikanische Propagandabotschaften zu transportieren.

Aufstieg

Bereits Anfang 1946 war der Wiener Kurier mit einer durchschnittlichen Auflage von 300.000 Stück pro Tag die meistgelesene Zeitung des Landes. Am 1. Oktober desselben Jahres verbuchte die Zeitung die Rekordauflage von 445.000 Exemplaren, weil sie gekonnt reißerisch und in Balkenlettern über die Urteile in den Nürnberger Prozessen berichtete. Als der Wiener Kurier am 26. September 1947 einmal nicht erscheinen konnte, teilten hunderte Leser telefonisch ihr Bedauern mit, darunter der Bundeskanzler, der Innenminister, der Handelsminister und Wiens Polizeipräsident. Der Grund des Nichterscheinens war ein sehr simpler: Die Papiervorräte hatten nicht mehr gereicht.

Trotz des am 1. Oktober 1945 durch den Alliierten Rat feierlich verkündeten „Dekrets über die Wiederherstellung einer freien Presse in Österreich“ änderte sich nicht viel an der politischen Einflussnahme durch die Besatzungsmächte. Zwar wurde die strenge Zensur weitgehend außer Kraft gesetzt, doch änderte dies nichts an der Tatsache, dass die Alliierten weiterhin zu ihren Gunsten intervenierten. Der Papierengpass, dem zum Beispiel die Wiener Zeitung Die Presse damals ausgeliefert war, betraf den Wiener Kurier nicht. Er konnte es sich dank amerikanischer Hilfe sogar leisten, einen eigenen Papiervorrat anzulegen, während andere Zeitungen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.

Krise

Den Papierengpass im Sommer 1946 überlebte aber sogar der Wiener Kurier nicht ohne Folgen: Mitten in einer rasant steigenden Auflage musste die US-Zeitung sowohl bei der Auflage als auch beim Umfang des Blattes Einbußen hinnehmen: Das Blatt stürzte von 300.000 Exemplaren pro Tag auf nur mehr rund 130.000 Exemplare pro Tag im Juni 1950 ab, während der Preis für Rotationspapier zwischen 1946 und 1951 um sagenhafte 483 % zunahm. Die marktbeherrschende Stellung des Wiener Kurier nahm dagegen sukzessive ab, auch in der Publikumsgunst zeigten sich starke Verluste.

Mit der Gründung der Boulevardzeitung Bild-Telegraf von drei österreichischen Medienmachern wurde dem Kurier das Überleben noch schwerer gemacht. Er hatte nun einen direkten Konkurrenten.

Es wurden Vorbereitungen getroffen, den Wiener Kurier einzustellen, die Zeitung stagnierte bei einer Auflage von 60.000 Exemplaren. Der bislang nicht im Zeitungsgeschäft vertretene Ludwig Polsterer, Betreiber der Filmfirma Cosmopol, meldete Interesse am Wiener Kurier an. Erst durch Vermittlung des Direktors des Theaters in der Josefstadt, Ernst Haeussermann, konnte man die Amerikaner von ihrem Vorhaben abbringen, die Zeitung ganz einzustellen. Als weitere Interessenten neben Ludwig Polsterer meldeten der Herausgeber der populären Wiener Wochenausgabe, Franz Karmel, sowie Fritz Molden, Chef der liberalen Presse, der später ein erbitterter Gegner von Polsterer wurde.

Die Ära Polsterer - Neuer Kurier

Kurz vor dem Vertragsabschluss meldete auch die ÖVP-Teilorganisation Österreichische Arbeiter- und Angestelltenbund ÖAAB Teilhaberrechte an der Zeitung an und weigerte sich, die Zeitung in ihrer Druckerei Waldheim-Eberle zu drucken, falls sie als Gesellschafter – unter dem Deckmantel einer Pachtgemeinschaft – nicht akzeptiert werde. Daraufhin stieg Fritz Molden als Interessent aus, der ÖAAB stieg mit Alfred Maleta ein. Und für drei Millionen Schilling Kaution für Druckkosten erhielt Ludwig Polsterer 50 % der Anteile.

Das einen Schilling teure Blatt Neuer Kurier erschien erstmals am 18. Oktober 1954. Hans Dichand, bis dahin Chefredakteur der Kleinen Zeitung in Graz, wurde von ebendort abgeworben und beim Neuen Kurier eingesetzt. Die Zeitung konnte damals viele berühmte Autoren vorweisen, die teilweise noch heute journalistisch tätig sind: Etwa Reinald Hübl, Jörg Mauthe, Heribert Meisl, Friedrich Torberg sowie Dichands aus New York City abgeworbener Freund Hugo Portisch zeichneten auf journalistischer Ebene für den Erfolg des Blattes verantwortlich.

Der Kurier im Wiener Zeitungskrieg

1958 fand Polsterer seine Miteigentümer finanziell ab und war damit offiziell alleiniger Eigentümer. Als geheimer stiller Gesellschafter war noch der ÖVP-Bundesrat Leopold Helbich beteiligt.

Als Fritz Molden, in dessen Druckerei der Kurier-Konkurrent Bild-Telegraf gedruckt wurde und schließlich Konkurs anmeldete, seine eigene Boulevardzeitung, das Bildtelegramm mit der bisherigen Redaktionsmannschaft des Bild-Telegrafen herausgab, fasste Polsterer den Beschluss, selbst tätig zu werden.

Er übernahm, erneut mit Geldern der ÖVP, mithilfe des Landesparteiobmanns Fritz Polcar, den Bild-Telegrafen. Bis 23. Juli 1958 musste die Redaktion des Kurier zwei Zeitungen herstellen.

1958 verließ Hans Dichand den Kurier, Chefredakteur wurde Hugo Portisch.

1973 verkaufte Polsterer den Kurier an eine dem österreichischen Banken-Unternehmen Raiffeisen nahestehende Industriellengruppe. Die Mittagsausgabe der Zeitung wurde eingestellt.

Medienkonzentration

Im Jahr 1988 kommt es im österreichischen Medienmarkt zur sogenannten „Elefantenhochzeit“ der beiden damals größten Zeitungen des Landes. Unter Beteiligung des deutschen Unternehmens WAZ gründen der Kurier und die Kronen Zeitung das Unternehmen Mediaprint, das Druck, Vertrieb und Anzeigenabwicklung der Zeitungstitel übernimmt.

Die Neuorganisation des Hauptblattes führte Herausgeber und Chefredakteur Peter Rabl (seit 22. März 1993) durch: Im Oktober dieses Jahres erhielt der KURIER ein neues, markantes Erscheinungsbild bis hin zu einem neuen Logo: Der Schriftzug KURIER löste das breite K im roten Rechteck ab.

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